"Beim Offlinehandel gibt es den Vorteil von persönlicher und zwischenmenschlicher Nähe."

Warum unterstützt Du Südtirol Shop? Warum ist der lokale Handel wichtig?

Südtirol Shop ist genau jene Art von Plattform, von denen wir mehr auf der Welt brauchen. Als vegane Umweltaktivistin mache ich mir nicht nur Gedanken über die Hintergründe und Auswirkungen von tierischen Lebensmitteln auf diese Welt, sondern es ist genauso wichtig über die Herstellung aller anderen Produkte zu achten. Ich unterstütze so gut wie möglich aisonale, biologische, regionale und faire Produkte, weil ich weiß, dass jeder Euro den ich ausgebe auch eine Stimme abgibt. Meine Stimme gebe ich eindeutig lieber für Produkte aus, welche den geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. 

Stell Dich kurz vor: Wie würdest Du Deinen Beruf / Deinung Berufung beschreiben?

Seit fast 8 Jahren setze ich mich als Umweltaktivistin hauptsächlich zum Schutz der Meere und Meeresbewohner ein. Während dieser Zeit wurde ich zur Speakerin, Filmerin und Autorin. Ich glaube, für meine Arbeit gibt es nicht diese eine Berufsbezeichnung. Ich sehe mich als Erdenbewohnerin, die ihre Rente in Form ihres aktiven Einsatzes für diese Welt einreicht und um das zu tun, nutze ich verschiedene Wege. Momentan darf ich nebenher meine Coachingausbildung bei GREATOR genießen. 

Corona hat den Umschwung hin zum online Handel sehr beschleunigt – welche Vorteile hat offline kaufen gegenüber online?

Online kaufen finde ich im Grunde nicht schlecht, es kommt allerdings immer auf die Art und Weise an. Auch Südtiroler Betriebe verkaufen online und sind besonders jetzt in dieser Zeit sehr dankbar für diese Möglichkeit. Wichtig ist einfach, nicht immer Dinge zu kaufen, die für ihre Produktion 10 verschiedene Länder bereist haben, bevor sie dann in einer Lagerhalle für den Onlinehandel verteilt werden oder auch in Geschäften zum Offlinekauf angeboten werden. Ich glaube beides, online sowie offline, ist in ethischer Weise möglich. Beim Offlinehandel gibt es den Vorteil von persönlicher und zwischenmenschlicher Nähe. Das ist meines Erachtens nicht zu unterschätzen. 

Dass der Weg des Paketdienstes vom Onlinehändler zu uns nach Hause schlimmer sei, als der Weg von jeder*m Einzelnen von uns, alleine im Auto sitzend zum Offlinegeschäft, kann ich nicht bestätigen. Dafür bräuchte ich konkrete Zahlen. Wichtig ist für mich, nicht bei Großkonzernen zu kaufen, deren moralische Werte nicht mit dem Gesetz der Natur und damit auch nicht mit meiner Einstellung übereinstimmen. 

Du warst immer viel unterwegs – wie hat sich Dein Job durch Corona verändert?

Ich habe vor 2 Jahren bereits mit dem Reisen aufgehört, da ich nicht mehr fliegen will, wenn es nicht unbedingt sein muss. Seit 2019 habe ich ein selbstständiges Unternehmen aufgebaut, als Filmerin und Speakerin. Es gab für mich auch in Südtirol jede Menge zu tun. Ich möchte hauptsächlich meine Erfahrungen und Erlebnisse aus aller Welt mit den Menschen teilen und dadurch kleine Samenkörner pflanzen, die in den Köpfen der Menschen nach ihren eigenen Bedürfnissen wachsen. Samenkörner stelle ich gerne bereit und auch den nötigen Dünger hin und wieder. Wie jede*r Einzelne diese 2 Komponenten dann verwendet, ist jeder*m selbst überlassen. 

Seit 10 Monaten hat sich meine Arbeit allerdings sehr verändert. Ich kann keine oder kaum Vorträge halten, da ich viel in Schulen und Vereinen unterwegs war. Mein voller Terminkalender von 3-4 Vorträgen täglich hat sich fast geleert. Allerdings habe ich diese Zeit dazu verwendet, an Projekten zu arbeiten, welche ich zu lange aufgeschoben habe. Mein 2. Buch wird voraussichtlich im März erscheinen, ich darf an einem mega spannenden Umweltprojekt mit einer Südtiroler Firma mitarbeiten und dieses Jahr werde ich weiter an meinem Dokumentarfilm HOPE arbeiten. 

Es war ein heftiges Jahr, auch privat nicht einfach. Allerdings darf ich auch erleben, wie sehr ich in dieser Zeit wachsen durfte. Das Leben stellt uns zwischen all den wunderschönen Momenten auch immer mal wieder einen großen Scheißhaufen zur Verfügung. Es liegt nur in unserer eigenen Hand, wie wir diesen Scheißhaufen nützen, denn Scheiße kann auch Dünger sein. 

Wie kann ich nachhaltig einkaufen, um unseren Planeten durch kleine Taten zu schonen?

Kauft lokaler, saisonaler, biologisch, verpackungs- und tierleidfrei. Ich schaffe es nicht, all diese Punkte immer umzusetzen. Aber ich gebe täglich mein Bestes, meinen Einkauf zu verbessern. Kauft keine Nestlèprodukte, sondern unterhaltet euch mit den Bauern, bei denen ihr euer Gemüse kauft, um zu erfahren, wie viel Arbeit hinter der Produktion unserer Lebensmittel steckt. Informiert euch über die Inhaltsstoffe der Produkte, bevor ihr kauft und gebt diese Informationen auch weiter. Nicht mit dem Finger zeigend, sondern mit einem Lächeln im Gesicht, das aufzeigt, wie sehr euch eure persönliche Umstellung zu einem nachhaltigeren Leben bereichert. „Lead by example“ ist der allerbeste und stärkste Samen dafür, bereits heute eine wunderschöne Zukunft zu pflanzen. 

Was würdest Du Dir für 2021 wünschen?

Am allermeisten wünsche ich mir Verbindung. Ich wünsche mir, dass wir aus 2020 lernen, uns die Zeit nehmen, uns wieder mit unserem Inneren zu verbinden und dadurch auch mit allem um uns herum. Ich wünsche mir, dass wir erkennen, dass wir keine Besucher auf dem Planeten Erde sind, sondern dass jede*r von uns eine kleine Zelle vom großen Ganzen ist. Wenn wir das wieder begreifen, beginnen wir auch zu verstehen, dass jede unserer Entscheidungen eine Auswirkung auf unser eigenes Leben hat. Was ich raus schicke, kommt zu mir zurück. Da macht es doch Sinn, sich etwas mehr Zeit dafür zu nehmen, darüber nachzudenken, was ich so rausschicken will. Oder? 

Magdalena Gschnitzer

Südtirol Shop ist genau jene Art von Plattform, von denen wir mehr auf der Welt brauchen.